Das Internet-Krematorium http://www.internetkrematorium.de
Requiescat in pace - der erste Datenfriedhof im Internet
Zurück zur Physük
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Das Internet-Krematorium http://www.internetkrematorium.de
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Die Schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA ist Teil des eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA. Sie koordiniert und vollzieht (gemeinsam mit dem SECO) die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe des Bundes.
Die Anfänge der DEZA reichen in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Unterdessen sind bereits einige Mitarbeiter/innen aus der ersten Generation verstorben. Noch hat die DEZA keine Platform für ein Gedenken an die Verstorbenen innerhalb ihrer Informationssysteme (www.deza.ch, DEZA Intraweb). Besonders das Intraweb der DEZA ist unterdessen das zentrale Instrument des Informations- und Wissensaustausches zwischen den Mitarbeitenden der Zentrale und denen in den nationalen Kooperationsbüro weltweit. Es würde sich also anbieten, in dessen Rahmen eine stimmige Form des Gedenkens an die verstorbenen Kolleginnen und Kollegen zu schaffen.
Jedoch neigen die Mitarbeitenden der DEZA weder zu Kitsch noch zu Theatralik. Im Sinne meines Resümees im vorigen Eintrag besteht die Herausforderung wohl darin, eine ästhetische Form zu finden, die von der nicht ganz anspruchslosen DEZA-Mitarbeitenden angenommen wird.
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Es war mir eigentlich von Anfang an klar: ich habe mir wieder einmal zuviel vorgenommen. So bleibt mir nur, am Ende dieser Skizze einzugestehen, dass ich den vollmundig angekündigten Untersuchungslauf zu grossen Teilen schuldig bleiben muss - und dabei kann ich mich auch nicht mit der Dynamik des Internet herausreden. Aber wer weiss: ich habe grosse Lust, diesen Blog auch über die “offzielle Bewertungszeit” hinaus weiterzuführen.
Als Fazit bleibt wenig zu sagen. Vieles ist in in meinem “Thesenanschlag” bereits zu Wort gekommen. Alles in allem bestätigt meine Auseinandersetzung jenes, was der Soziologe Manuel Castells als “Kakophonie des Internet” bezeichnet: “Die soziale Welt des Internet ist so vielfältig und widersprüchlich wie die Gesellschaft” (Castells 2005). Persönlich wünsche ich mir, dass die Trauerangebote im Web ästhetisch etwas mutiger werden und über die Reproduktion von - in der physischen Welt längst überkommener - Trauerästhetik einerseits oder aber einer “Powerpoint-Ästhektik” andererseits hinauskommen. Hier wären Anleihen bei Internet-Kunstschaffenden dringend nötig. Ich möchte hier auf die Ansätze verweisen, die Deborah Otuyelu in ihrem Blog vorgestellt hat (Netzkultur).
Eine letztgültige Bewertung der virtuellen Formen des Totengedenkens im Web möchte ich ganz bewusst nicht vornehmen. Dies wäre vermessen. Meine - aus meiner Geschichte als ehemaliger katholischer Pfarrer erklärbare - anfängliche Skepsis, ist nach und nach meiner angeborenen Neugier gewichen und am Ende kann ich nur folgendes festhalten: Virtuelle Formen des Totengedenkens im Internet können physisch manifeste Formen durchaus ergänzen (z.B. Wolfgang Welsch) und möglicherweise verstärken (z.B. Walter Heel). Ersetzen sollten sie diese um unserer selbst willen aber nicht. Die körperlich spürbare Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Angehörigen und mit dem Gefühl der Trauer ist nicht dispensierbar.
Einen durchaus spannenden Impuls - den mir Nicole Müller gegeben hat - ist es wert, ans Ende gestellt zu werden. Er stammt aus Japan und illustriert - bei aller Verwunderung - das vorher Gesagte: Das Bestattungsunternehmen Ishinokoe bietet neuerdings einen traditionellen Grabstein mit einem Link ins Internet an. Möglich wird dies durch einen QR-Code auf dem Grabstein, der mit einem Handy fotografiert werden kann und den Link auf eine Webseite des/r Verstorbenen ermöglicht. Ich finde diesen Ansatz bemerkenswert: um den notwendigen Gang auf den Friedhof wird sich nicht herumgemogelt. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten des jungen Mediums genutzt.
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In seiner Theorie zur Kultur des Internet (vgl. Google-Books: Die Internet-Galaxie) spricht Manuel Castells von vier massgeblichen Gruppen, die das Internet tragen: Unternehmer, Wissenschaftler, Hacker (Open Source-Bewegung) und virtuelle Gemeinschaften. DAs Zentrale dabei sei, dass keine dieser Gruppen die anderen drei zu dominieren in der Lage sei. Dieses ausgleichende Kräftespiel trage wesentlich zur Produktivität und Potenz dieses Mediums bei.
Nun mag die folgende Einordnung zu grob erscheinen und kann von jeder und jedem selbst vorgenommen werden: ich persönlich lokalisiere die Formen des Totengedenkens im Web zwischen der kommerziellen Interessen und dem Community-Gedanken.
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Quelle: Süddeutsche Zeitung online
Was gibt es jenseits von Grusel- …
… und Powerpoint-Ästhetik?
zur Verbindung beider Welten z.B. Virtueller Friedhof Ratingen
Die Thesen als Powerpoint: thesenanschlag
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Wie soll ich Webseiten zu Totengedenken in einem Blog “verewigen”? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Wie umgehen mit der Flüchtigkeit des Web? Soll ich den Versprechungen “ewiger Datenpflege” Vertrauen schenken?
Da mein ‘Glaube’ an die Ewigkeit des Internet noch der Festigung bedarf, entscheide ich mich für das Widersinnige schlechthin: ich friere Internetseiten ein zu Momentaufnahmen, ich sichere dynamische Webseiten, um ihre momentane Aussagekraft zu erhalten. Ich bin gespannt, ob es diese Seiten in ein paar Jahren noch geben wird….
Webseiten mit interaktiven Möglichkeiten (Uploads, Foren)
Portale rund um Tod und Trauer
Trauerforum
Ratgeberseiten
Erinnerungsseiten (Multimedia)
Lebensgeschichten
Elektronische Botschaften
Nachruf (redaktionell mit Agenturmaterial)
Tierfriedhöfe
Preise
Hall of Memory: “Garantierte Grab- und Datenpflege für 30 Jahre: 990 Euro”
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“Als virtuell gilt die Eigenschaft einer Sache, die nicht in der Form existiert, in der sie zu wirken scheint, aber in ihrem Wesen und ihrer Wirkung einer real existierenden Sache gleichartig ist”. Innerhalb des Diskurses über die Ästhetik wird darunter die wirkungsvolle Widerspiegelung einer Realität verstanden (z.B. Adorno, Th. W. 1970: Ästhetische Theorie, Frankfurt 1970). Als virtuelle Realität oder Virtual Reality wiederum wird die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung bezeichnet. In der Folge des letztgenannten Begriffes, der innerhalb des Internet mittlerweile in vielfältiger Weise unscharf für die “Web-Ausführungen” vieler Phänomene aus der physischen Welt verwendet wird, wurde wohl auch der Begriff der virtuellen Friedhöfe geboren.
Ist Virtualität im Totengedenken im bisher skizzierten Sinne allerdings erst eine Erfindung des Internet oder der audiovisuellen Medien überhaupt? Wie virtuell, aber auch wie konkret sind physische Formen des Totengedenkens seit jeher? Ich möchte in diesem Eintrag dieser Frage, die ich meiner Tandempartnerin Rachel Schlüssel verdanke, mit Bildern nachgehen:
Bilder zu Virtualität und Konkretion im Totengedenken
Im Blick auf die Virtualität im Totengedenken ist eine methodische Schwierigkeit zu bewältigen. Natürlich wurde im Totenkult immer schon mit reicher Symbolik gearbeitet und viele dieser Bilder würden ebenfalls im Filter einer Symboltheorie hängen bleiben. Tatsächlich lässt sich zwischen Symbolwirkung und virtueller Wirkung nicht klar trennen. Im Blick auf Trauerprozesse macht der Virtualitätsgedanke allenfalls dann Sinn, wenn es um die konkrete Konfrontation mit der Realität des Todes geht (eine Frage der Intensität, wie sie die Symboltheorie weniger im Blick hat - was allerdings zu beweisen wäre…). Kann virtuelles Totengedenken hier eine ähnlich starke Wirkung entfalten, wie die Vergegenwärtigung an physischen Gräbern und angesichts eines Leichnams?
Mehr im Sinne einer These halte ich daher fest: Grabmäler sind seit jeher virtuelle Formen des Gedenkens an Tote.
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Wofür nützen Grabstätten? Ich möchte in diesem Blogeintrag der Frage nach den Funktionen von Totengedenken nachgehen. Diese stichprobenartige Betrachtung soll einen Blick in die Geschichte und in die kulturelle Vielfalt des Totenkults ermöglichen - letzteren nur angedeutet am Beispiel des Totenkults in China. Sind erst die zentralen Funktionen von Gräbern erschlossen, können in einem späteren Schritt auch neue Formen des Totengedenkens im Web unter diesem Blickwinkel betrachtet und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Tage treten. Dass Totenbestattung etwas sehr Physisches und sinnlich Erlebbares ist schliesst nicht aus, sich dieser Erfahrung auch über Medien zu nähern. Die nachfolgenden Ausschnitte aus dem Film “Früher oder später” von Jürg Neuenschwander (Bern, 2004) verdeutlichen dies:
Die grundlegenden Funktionen von Grabstätten (Ort für leibliche Überreste, Totengedenken und Trauerprozess) habe ich bereits im ersten Blogeintrag skizziert. Darüberhinaus lohnt es sich, in der eigenen Lebenserfahrung nach weiteren Funktionen von Totengedenken zu suchen – und dabei auch unkonventionell zu denken. Denn an so manche - wenn auch offensichtliche - Funktion von Totenkult wagt man oft gar nicht zu denken. Als methodische Hilfe kann ein Schema dienen, dass sich sich in der Religionswissenschaft zur Erschliessung der Funktionen von Religionen bewährt hat:

Einige der weniger offensichtlichen Funktionen von Grabstätten und Totengedenken möchte ich im Folgenden illustrieren:
Beziehungspflege zu Verstorbenen am Beispiel von China
Kommunikation mit und Beziehungspflege zu den Toten ist eine Funktion, die seit altersher an den Grabstätten angesiedelt ist. So finden sich in vielen Kulturen Grabbesuche an Totengedenktagen (z.B. Allerseelen, Totensonntag). Dies kann auch am Beispiel von China sehr illustrativ gezeigt werden. Am sogenannten Grabreinigungstag finden sich ganze Familien mit Picnic und Barbecue auf den Friedhöfen ein, um dort zu essen und zu trinken.
Gräberbesuch am Totengedenktag in China
Auch die Verstorbenen selbst nehmen im rituellen Sinn an der Mahlzeit teil
Ökonomische Funktion: Das Bestattungswesen
Ein nicht zu unterschätzender Motivator für die Beziehungspflege zu den Toten ist neben dem trauernden und liebenden Gedenken auch das „konfliktreiche Verhältnis zwischen Toten und Lebenden“ (Aries, 1976). Die Kulturgeschichte(n) der Menschheit sind voll von Vorstellungen und Mythen, die anschaulich beschreiben, wie Verstorbene in derWelt der Lebenden weiterhin präsent und wirksam sind. Robert Haas hat anschaulich dargelegt, dass in China seit altersher eine grosse Angst davor besteht, dass tote Angehörige – werden sie nicht angemessen behandelt - sich auch nach vielen Generationen bösartig gegen die Nachkommen wenden können. Dies hat in China zu einem florierenden Geschäft mit vielerlei Grabbeigaben geführt, um die Ahnen Milde zu stimmen.
Grabbeigaben zur symbolischen Versorgung des Verstorbenen mit allerlei Praktischem
Dies reicht von Totengeld über Papiermodelle von Häusern, Autos und Privatjets (Bild) bis hin zu regelmässigen Tieropfern wie an dieser Bushaltestelle in Hongkong:
Machterhalt
Die Funktion des Macherhalts – vor allem von Herrschergräbern – ist vielfältig belegt: angefangen von Pyramiden in Ägypten oder Mexiko über Grabstätten mittelalterlicher Herrscher bis hin zu modernen Mausoleen des 20. Jahrhunderts.
Sarkophag Kaiserin Maria Theresia (Wien, Kapuzinergruft)
Totenkopf mit Reichskrone (Sarkophag Kaiserin Maria Theresias)
Mausoleen dienen meist dem Machterhalt der „Erben“ eines Herrschers…
… oft eng verbunden mit Personenkult: Staatsgründer Ho Chi Minh, Vietnam
Öffentlichkeit: Selbstdarstellung – Prestige – Irdische Leistung
Wurden bis ins Mittelalter selbst Päpste in schmucklosen Gräbern beerdigt, so ist mit der Neuzeit in bürgerlichen Kreisen eine Tendenz festzustellen, sich in Grabmälern in einer gewissen Selbstdarstellung zu „verewigen“. Das Grabmal soll den sozialen Status repräsentieren.
Mausoleum der Familie Langenscheidt
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Hall of Memory virtueller Friedhof
WorldwideCemetery
memoriam.de ewiges-leben.de garden of remenbrance
Was verbirgt sich hinter diesen Namen aus dem WWW? Was ist ein virtueller Friedhof? Liefert der Ausdruck Friedhof überhaupt eine angemessene Vorstellung des Phänomens? Die folgende kurze systematische Klärung der Begriffe soll das Phänomen ein wenig Ordnung machen:
Grabstätten oder Friedhöfe dienen - vereinfacht gesagt - drei grundlegenden Aspekten. Sie sind:
Ø Stätte für die körperlichen Überreste
Ø Ort für das Totengedenken
Ø sie dienen dem individuellen und kollektiven Trauerprozess
Virtuelle Friedhöfe dagegen sind
Ø Internet-Gedenkseiten
Ø befinden sich jenseits eines physischen Bestattungsortes
wobei Virtualität - vereinfacht gesagt - folgendes meint:
Ø „Eine Sache, die nicht in der Form existiert,
in der sie zu wirken scheint, Aber ihrer Wirkung nach
der physisch existierenden Sache gleichartig ist.” (Wikipedia)
Aus dieser Sicht ist das Schlagwort “Friedhof” zumindest zu hinterfragen. Totengedenken im Web ähnelt eher den mittelalterlichen Epitaphien, d.h. Gedenksteinen z.B. an Kirchmauern oder in Burgen:
”Stejn des Edl und Gestreng Herrn Alexander Grimmig zum Niederrain
und Gebmdorf” (Quelle: Fotoarchiv Udo Schaufelberger)
Epitaph des Christof Weitmoser, Bad Gastein (Quelle: Udo Schaufelberger)
Oder Sie dienen dem Totengedenken in ähnlicher Weise wie Grabsteine für nicht heimgekehrte Seeleute:
Seefahrerfriedhof Amrum (D)
Seefahrerfriedhof Amrum (D)
Fazit: Die Grundfunktion des Totengedenkens ist im Internet - wen wird das verwundern - von der Funktion des Ortes für die leiblichen Überrreste getrennt. Tibetischen Gebetsfahnen gleich erinnern sie an die Toten. Es bleibt die Frage offen, in welchem Masse sie in der Lage sind, individuelle und kollektive Trauerprozesse zu begleiten.
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Philosophiegeschichtlich gehört der Totenkult im Gegensatz zum Sterben nicht zur Ethik (ethiké), sondern vielmehr zur Ästhetik (aisthesis), d.h. in den Bereich der sinnlichen Erfahrung und des (angemessenen) Geschmacks, sowie zur Frömmigkeit (pistis) – ist also mit dem religiösen und spirituellen Vorstellungen der Menschen verbunden (vgl. Aristoteles: Nikomachische Ethik, 1103a, 1138 b. nach PHB 5. 1975). Diese Abgrenzung des Artistoteles ist insofern bedeutend, als nicht selten in der Geschichte übertriebener Totenkult (z.B. für Herrscher) weit höher gewichtet wurde als die ethische Haltung gegenüber den Lebenden (bis hin zu Menschenopfern). Natürlich stellen sich im Zusammenhang mit dem Totenkult dennoch ethische Fragen, wie diejenige eines Rechts und eines (Zeit-)raums für Trauer von Hinterbliebenen – etwas, das in unserer alle Lebensbereiche durchdringenden Leistungsgesellschaft eher unerwünscht ist. Schliesslich bedürfen Tote der Ethik in Form des Respekts gegenüber der Integrität ihrer Person, da sie den (noch) Lebenden in gewisser Weise ausgeliefert sind.
Hermeneutische Vorbemerkung
Eine erste spontane „Friedhofsbegehung“ im virtuellen Raum des WWW liefert mir das bunte und wenig einheitliche Bild, das der Soziologe Manuel Castells in Blick auf die Vielfalt virtueller Gemeinschaften als Kakophonie des Internet bezeichnet hat: „Die soziale Welt des Internet ist so vielfältig und widersprüchlich wie die Gesellschaft.“ (vgl. M. Castells: Die Internet-Galaxie. Heidelberg 2005, S. 66). Es mag jedoch bezeichnend sein, dass ich als halbwegs typischer Sprössling der schon betagten „Bildungsgesellschaft“ das Ausmass von Totenkult und Kondolenzwesen im WWW zuvor masslos unterschätzt hatte. Diese persönliche Unerfahrenheit mit Netzwelten möchte ich einerseits als Motor für meine Arbeit nutzen. Andererseits bewahrt sie mich hoffentlich vor einem naiven Umgang mit Trauerformen im Netz: Denn diese dürfen, so hilfreich sie auch daher kommen, nicht an sich selbst gemessen werden. Schliesslich mache ich mich auch lustvoll an die Arbeit. Wem das angesichts des ernsten Gegenstandes nicht angemessen erscheint, der sei darauf hingewiesen, dass der Tod neben der Lust und der Liebe im Dreigestirn des klassischen Dramas immerhin der Dritte im Bunde ist.
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