Es war mir eigentlich von Anfang an klar: ich habe mir wieder einmal zuviel vorgenommen. So bleibt mir nur, am Ende dieser Skizze einzugestehen, dass ich den vollmundig angekündigten Untersuchungslauf zu grossen Teilen schuldig bleiben muss – und dabei kann ich mich auch nicht mit der Dynamik des Internet herausreden. Aber wer weiss: ich habe grosse Lust, diesen Blog auch über die “offzielle Bewertungszeit” hinaus weiterzuführen.
Als Fazit bleibt wenig zu sagen. Vieles ist in in meinem “Thesenanschlag” bereits zu Wort gekommen. Alles in allem bestätigt meine Auseinandersetzung jenes, was der Soziologe Manuel Castells als “Kakophonie des Internet” bezeichnet: “Die soziale Welt des Internet ist so vielfältig und widersprüchlich wie die Gesellschaft” (Castells 2005). Persönlich wünsche ich mir, dass die Trauerangebote im Web ästhetisch etwas mutiger werden und über die Reproduktion von – in der physischen Welt längst überkommener – Trauerästhetik einerseits oder aber einer “Powerpoint-Ästhektik” andererseits hinauskommen. Hier wären Anleihen bei Internet-Kunstschaffenden dringend nötig. Ich möchte hier auf die Ansätze verweisen, die Deborah Otuyelu in ihrem Blog vorgestellt hat (Netzkultur).
Eine letztgültige Bewertung der virtuellen Formen des Totengedenkens im Web möchte ich ganz bewusst nicht vornehmen. Dies wäre vermessen. Meine – aus meiner Geschichte als ehemaliger katholischer Pfarrer erklärbare - anfängliche Skepsis, ist nach und nach meiner angeborenen Neugier gewichen und am Ende kann ich nur folgendes festhalten: Virtuelle Formen des Totengedenkens im Internet können physisch manifeste Formen durchaus ergänzen (z.B. Wolfgang Welsch) und möglicherweise verstärken (z.B. Walter Heel). Ersetzen sollten sie diese um unserer selbst willen aber nicht. Die körperlich spürbare Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Angehörigen und mit dem Gefühl der Trauer ist nicht dispensierbar.
Einen durchaus spannenden Impuls – den mir Nicole Müller gegeben hat - ist es wert, ans Ende gestellt zu werden. Er stammt aus Japan und illustriert – bei aller Verwunderung – das vorher Gesagte: Das Bestattungsunternehmen Ishinokoe bietet neuerdings einen traditionellen Grabstein mit einem Link ins Internet an. Möglich wird dies durch einen QR-Code auf dem Grabstein, der mit einem Handy fotografiert werden kann und den Link auf eine Webseite des/r Verstorbenen ermöglicht. Ich finde diesen Ansatz bemerkenswert: um den notwendigen Gang auf den Friedhof wird sich nicht herumgemogelt. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten des jungen Mediums genutzt.

